Berlin, dieser neue Planet

east-side-gallery-50730_640

Neben der eher negativen Entwicklung auf dem Wohnungssektor seit dem Mauerfall, ist es die vielleicht bedeutendste Veränderung, daß gerade Berlin ein unvergleichlicher Schmelztiegel aller Kulturen der Welt geworden ist.

Mehr noch als zu Zeiten der Auswanderungswelle
in die frisch erfundenen Vereinigten Staaten,
strömen nun Menschen aus allen Teilen der Welt in die Stadt.

Und im Gegensatz zu früher tun sie dies als relativ freie, zumindest deutlich gebildetere Menschen auf einem ziemlich gleichmäßigen technologischen Level.

Berlin, dieser neue Planet.

Was früher durch die Polarisierung in Kommunistisches und Kapitalistisches System nachgerade unmöglich war,
als Ost und West, getrennt durch den sogenannten eisernen Vorhang,
ihren gezwungener Massen kalten Krieg führen mussten.

Gab es damals noch die deutlichen Unterscheidungen
in „ethnische Spezifikationen“
(Zum Beispiel kamen Sklaven aus Afrika,
es gab die chinesischen Wäscher,
die irischen Whiskybrenner,
die italienischen Pizzabäcker,
die spanischen Weinhändler,
die französischen Käsemacher,
die mexikanischen Bohnenzüchter,
und so weiter, wie auch immer),
haben sich die Standards heute sehr stark einander angenähert und tun das noch.
Dies ist wohl mithin einer der positiven Effekte des Internets.

So ist es mir des öfteren schon passiert,
ganz gleich wo ich hinkam, daß ich einen ganzen Tag lang nur Spanisch oder Italienisch oder Französisch, Englisch sowieso oder Russisch zu hören bekam, sodaß ich den Eindruck bekam, mich in einem anderen Land aufzuhalten.

War Kreuzberg früher eine Hochburg der Türken,
auch genannt Klein-Istanbul, kann man das heute nicht mehr explizit so sagen.

Berlin, dieser neue Planet.

In diesem Gewirr findet offenbar immer noch nahezu unbemerkt eine unglaubliche Veränderung der Sprache auf allen erdenklichen Ebenen statt!

Vergleichbar mit dem Prinzip des Nivellierens bei Wasser.

Man kann einen riesigen Behälter mit tausenden von Eimern unterschiedlich gefärbten oder schmeckenden Wassers füllen und doch vermengt es sich und nivelliert es sich und doch bleibt es und verhält es sich immer noch wie Wasser, es nimmt bloß eben vielleicht eine andere Färbung oder einen anderen Geschmack an.

Sicherlich dominiert das Englische, aber wohl niemand kann so ganz genau sagen wie es sich weiterentwickelt.

Während Kultusministerium, Universitäten und Schulen sich weiterhin wie starrsinnig in den schier vereisten starren Zonen ihrer Systematik
ohne großartige sprachliche Entwicklung herumverirren, packe ich die Gelegenheit am Schopfe und verpasse meiner von allzu strengen Regeln geprägten Muttersprache nach Kräften und ein wenig die Färbung wie auch das Niveau dieser völlig neuen Dynamik.

Versuche es zumindest.

Und zwar so, daß man noch eine Andeutung von einer Ahnung haben kann, worum es möglicherweise in den Texten geht.

Also ziemlich contemporary!

Zumindest tendenziell, da ich außer den romanischen Sprachen sonst keine anderen auch nur annähernd beherrsche.
Jedoch und allerdings sind meine Ohren stets weit aufgesperrt und lauschen sehr begierig nach allem.

Gleichzeitig bewahrend, wie auch nach allen mir zugänglichen Seiten erweiternd prägt sich mir ein Sprachbild auf, das jedem Germanisten namenloses Grauen verursachen dürfte.

Ich bin kein Germanist und möchte sicherlich auch keiner sein. Aber genau diesen Effekt der unkontrollierbaren (Hahaa!) Vermengung und des andauernden Nivellierens möchte ich nutzen,
um die Reise der deutschen Sprache nunmehr bewußt in diese unbekannten neuen Gebiete
aktiv zu begleiten.